Epidemiologie

  • In ungeimpften Populationen werden v. a. Kleinkinder befallen, das Auftreten ist jedoch in jedem Lebensalter möglich.
  • Keuchhusten hinterlässt eine lang andauernde, jedoch nicht immer lebenslange Immunität.
  • Geimpfte Kinder können Überträger sein, genauso wie (häufig!) untypisch erkrankte Erwachsene.

 

Erreger

  • Bordetella pertussis, bildet mehrere Giftstoffe, die teils die Atemschleimhaut, teils das Hustenzentrum des Gehirns schädigen.

 

Infektionsmodus

  • Tröpfcheninfektion

  • Bei Keuchhusten gibt es unabhängig von der Krankenvorgeschichte oder dem Impfstatus der Mutter keinen relevanten Nestschutz (RKI 2010) - einzig die Impfung der Mutter in der Spätschwangerschaft scheint hier einen Schutz zu vermitteln (s. hier)

  • Stillen vermittelt nach jetzigem Kenntnisstand keinen relevanten Schutz vor der Keuchhustenerkrankung bei Säuglingen (Pandolfi 2017, Pisacane 1994).

  • Infektiosität: Inkubationszeit bis in das Stadium convulsivum hinein, unbehandelt eventuell bis zu 3 Wochen nach Beginn des Stadium convulsivum (s.u.).

  • Eine asymptomatische Kolonisation (s.hier) mit Bordetella pertussis wurde früh beschrieben, lange Zeit jedoch für extrem selten gehalten. (Krantz 1986, Linnemann 1968).

  • Neuere Untersuchungsverfahren können jedoch bei der Untersuchung im Umfeld von Keuchhustenfälle bei bis zu 30% der symptomlosen Kontaktpersonen eine Besiedlung mit Bordetella pertussis nachweisen (Raymond 2007, Klement 2003, Srugo 2000).

 

Infektionsverlauf

  • Inkubationszeit 7 - 20 Tage

  • Stadium catarrhale (1 - 2 Wochen) mit uncharakteristischem Husten, nicht von einem banalen Luftwegsinfekt zu unterscheiden. Zeit der maximalen Infektiosität.

  • Stadium convulsivum (4 - 6 Wochen) mit zunehmend typischem, anfallsweisen „Stakkatohusten“, ziehender Einatmung und Erbrechen.

  • Stadium decrementi mit allmählichem Abklingen der Beschwerden.

  • Bei jungen Säuglingen eventuell hustenarme/freie Verläufe, stattdessen sind lebensbedrohliche Atemstillstände möglich - daher ist hier oft eine stationäre Überwachung erforderlich.

  • Bei Jugendlichen und Erwachsenen oft untypischer Verlauf mit uncharakteristischem langanhaltenden Husen.

 

Komplikationen

  • Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen
  • "Sehr selten" (RKI 2010) Krampfanfälle mit Hirnschädigung.

 

Prognose

  • Im allgemeinen gut - bei später Diagnosestellung kann es, besonders innerhalb der ersten Lebensmonate, jedoch zu schweren und sehr selten auch lebensbedrohlichen Verläufen kommen.
  • "Folglich sind Neugeborene und junge Säuglinge besonders gefährdet; sie haben auch das höchste Risiko, schwerwiegende Komplikationen zu erleiden. Fast alle Krankenhausbehandlungen und fast alle Todesfälle betreffen dementsprechend junge, ungeimpfte Säuglinge (vor allem unter 6 Monaten)" (RKI 2010) - eine Untersuchung aus Italien, die die Keuchhustenfälle in Italien über einen Zeitraum von über 100 Jahren untersucht, kommt zu dem klaren Ergebnis, dass die Sterblichkeit an Keuchhusten schon vor der Einführung der Keuchhustenimpfung signifikant zurückging; seit 2002 wurde in Italien kein Todesfall an Keuchhusten mehr gemeldet, die Durchimpfungsrate betrug damals etwa 90% (Gonfiantini 2014).

  • In Deutschland wurden von 1998 bis 2015 insgesamt 3 Todesfälle bei Säuglingen bedingt durch Keuchhusten erfasst (GBE-Bund 2018).

 

Therapie

  • Antibiotica (Erythromycin) verkürzen die Infektiosität (auf etwa 5 Tage), beeinflussen den Verlauf jedoch nur bei sehr frühem Beginn im Stadium catarrhale.
  • Cortison und Salbutamol lindern den Verlauf bei Säuglingen.

 

Literatur.

GBE-Bund.de. 2018. Säuglingssterbefälle Keuchhusten ab 1998. Abruf 24.10.2018

Gonfiantini MV. Euro Surveill. 2014;19(40):pii=20921. Abruf 10.10.2014

Klement E. 2003. Epidemiology and Infection. 131(3):1049–54

Pandolfi E. 2017. The Pediatric Infectious Disease Journal. 36(3):e48–53

Pisacane A. 1994. Acta Paediatrica. 83(7):714–18

Raymond J. 2007. Clinical Microbiology and Infection. 13(2):172–75

RKI. Pertussis - Stand August 2010. Abruf 15.11.2013

Srugo I. 2000. Emerging Infectious Diseases. 6(5):526–29